Dienstag, 7. Oktober 2014

Zecke entfernt und nun? Wie werde ich das Biest sicher los?

Vorletztes Wochenende haben meine Kollegin und ich einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde für die hiesige Hundeschule gehalten. Dabei ging es um die Theorie der ersten Hilfe, aber auch ganz viel um die praktische Anwendung von Hilfsmaßnahmen. So haben wir direkt am Hund allerlei Handgriffe geübt. Es ging u.a. um das Fühlen des Herzstoßes und des Pulses, um den Transport verletzter Hunde, um korrekt angelegte Pfotenverbände (WICHTIG! Nie die Polsterung vergessen!) und vieles, vieles mehr.

Natürlich durften die Teilnehmer des 2 1/2-stündigen Kurses auch Fragen stellen, und eine davon brachte uns dann zum Schmunzeln:

Altar der Kirche in Berstadt mit Altarkerzen
Eine Dame, die zufällig Pfarrerin in unserem Nachbarort ist, fragte nämlich, wie sie eine entfernte Zecke denn nun am sichersten abtöten und entsorgen könne. Ein  anderer Teilnehmer antwortete gleich: mit dem Feuerzeug abbrennen. Darauf erklärte die Dame, sie rauche ja nicht und habe folglich auch kein Feuerzeug bei sich. Ich schlug dann scherzhaft vor, die Zecke mit in die Kirche zu nehmen und diese direkt an der Osterkerze zu verbrennen. Sozusagen unter oberster Aufsicht. Die Vorstellung der praktischen Umsetzung dieser Art der "feierlichen Kremierung" brachte uns dann doch zum Lachen.

Zuhause ist mir dann aber aufgefallen, dass die Osterkerze vielleicht doch nicht so ideal ist, immerhin feiern wir Christen an Ostern ja die Auferstehung unseres Heilands. Wir wollen also lieber nicht riskieren, dass diese mächtigste aller Altarkerzen ihren Geist auf die Zecke überträgt und das Biest am Ende auch noch wiederaufersteht :-)


ACHTUNG: dies ist keineswegs blasphemisch gemeint, ganz im Gegenteil! Wer mich kennt, weiß, dass ich zwar für einen lockeren, unverkrampften Umgang mit Glauben eintrete, aber dennoch in der evangelischen Kirche tief verwurzelt bin.

Nun aber Scherz beiseite: ich schulde noch eine korrekte Antwort. Es gab vor einiger Zeit einmal einen wissenschaftlichen Zeckenhärtetest, nachzulesen auf der Homepage der Firma Baxter. Baxter ist Hersteller der FSME-Schutzimpfung für Menschen und betreibt eine ausführliche Homepage zum Thema Zecken, wo man alles über die Biologie, die übertragbaren Krankheiten, die Prophylaxe, die sichere Entfernung und eben auch die Entsorgung der 8-beinigen Quälgeister nachlesen kann. Dort findet sich eine Auflistung sicherer Entsorgungsmethoden: "Am wirkungsvollsten erwies sich im Zeckenhärtetest das Zerdrücken von Zecken mit einem festen Gegenstand, z.B. einem Glas. Dazu sollten die Zecken in einem zusammengefalteten Papier eingeklappt werden. Danach wird ein Wasserglas mit Druck über das Papier gezogen. Die Methode erwies sich im Test sowohl für erwachsene Zecken als auch für Nymphen als geeignet. Ebenfalls erfolgreich war das Töten in 40 %igem Alkohol, Chlorreiniger und Sagrotan. Als ungeeignet erwiesen sich das Zertreten mit dem Schuhabsatz oder das Zerquetschen mit dem Fingernagel. Auch vom Herunterspülen der Zecke in der Toilette sollte abgesehen werden,  denn wie ein Zeckenhärtetest gezeigt hat, überleben Zecken eine geraume Zeit in Wasser."  


Die Tests umfassten übrigens auch die Frage, ob Zecken in der Waschmaschine oder im Trockner überleben, wenn sie denn an der Kleidung haften. Da überlebten fast alle Zecken bei 40°, aber schon bei 60° starben 100% der Zecken aller Stadien (Adulte, Nympen und Larven) ab. Eine andere Frage, der man nachging, war, wie lange Zecken in der Wohnung überleben können. Zecken brauchen eine recht hohe Luftfeuchtigkeit, um zu überleben, aber selbst bei nur 55% relativer Luftfeuchte (ungefähr normale Feuchte einer Wohnung) konnten ungesogene (also nüchterne und hungrige) Zecken bis zu 10 Tage (!) überleben. Das ist ganz schön lang! Satte Zecken, also diejenigen, die vielleicht vorher am Hund gesessen hatten und sich dann vollgesogen fallen ließen, z.T. sogar noch länger.

Besetzt! Kind liegt im Katzenkörbchen
Versteckspielen in der Hundehütte















Also sollte man gewaltig vorsichtig sein, wenn der Hund oder die Katze Zecken einschleppt und dann vielleicht gerade Kleinkinder auf dem Boden krabbeln oder größere Kinder mit den Tieren oder den Liegeplätzchen der Tiere spielen, wie hier auf dem Foto mein Sohnemann in der Hundehütte der Nachbarn!!! Fragen Sie also bei Ihrem Tierarzt nach wirklich sicherem Zeckenschutz für Ihre Vierbeiner, um nicht nur Fifi und Miezi, sondern auch sich und Ihre Familie zu schützen! Und glauben Sie mir, mit ein bißchen Teebaumöl oder Knoblauchtabs aus dem Futterhaus ist es da definitiv nicht getan!





In der Praxis handhabe ich die Abtötung gezogener Zecken übrigens so, dass ich entfernte Zecken in ein Glas oder Plastikröhrchen lege und mit der hochprozentigen alkoholischen Tischdesinfektion einsprühe. Nach etwa einer Stunde entsorge ich sie dann mit dem Hausmüll. Das muss übrigens nicht unbedingt mitsamt dem Röhrchen sein, wie hier im Bild!