Donnerstag, 5. Juni 2014

Vorbildliche Tierbesitzer

An dieser Stelle habe ich ja schon gelegentlich mal mein Unverständnis gegenüber manchen Tierbesitzern geäußert, die es mit der übernommenen Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Tiere nicht so genau nehmen. Heute mal ein ganz anderes Beispiel: BESSER geht nicht!

Bildnachweis: lt. Wikipedia - gemeinfrei
Ich habe mal wieder Vertretungsdienst für unsere Dienstgemeinschaft aus acht Praxen. Das Telefon geht - es ist Sonntag, 11 Uhr 45. Ich spreche mit einem Anrufer aus Friedberg (also ca. 18 km von hier) und er berichtet, dass seine Familie zwei Tage verreist war und die drei Kaninchen von Nachbarn versorgt wurden. Jetzt fiel heute morgen nach der Rückkehr auf, dass eines der Tiere schlapp sei, liege und nicht hoppeln wolle und er auch nicht wisse, ob es gefressen habe.

Ich bitte ihn, umgehend mit dem Tier in die Praxis zu kommen. Er sagt, dass er am Car-Sharing teilnehme und erst noch ein Fahrzeug organisieren muss. Nach einigen Minuten ruft er zurück, es gebe erst um 14:00 Uhr ein Auto. Da die Beschreibung sich sehr ernst anhört und Kaninchen schonmal zu Aufgasungen mit plötzlichen Todesfällen neigen, bitte ich ihn, eine alternative Beförderung zu suchen und erkläre meine medizinischen Bedenken. Wenig später ruft er an, er habe zwar kein Auto aufgetrieben, aber jetzt ein Taxi bestellt und sei in 30 Minuten da.

Nach der Untersuchung und Behandlung fragt er, ob es bei uns in Wölfersheim auch Taxi-Unternehmen gebe, dann entfalle die Anfahrt aus Friedberg. Natürlich ... flugs suche ich die Nummer eines hiesigen Taxi-Unternehmers und der Herr wird mit Tochter und Kaninchen zügig wieder nach Hause gefahren. 

Das ist doch wirklich vorbildlich!!! Da hat der nette Herr jetzt nicht nur die Kosten der Behandlung, noch dazu mit Aufschlag im Bereitschaftsdienst, zu zahlen, sondern auch gleich noch zweimal Taxi. Wenn ich Ihnen jetzt noch erzähle, dass die Kaninchen eigentlich seiner minderjährigen Tochter gehören, umso beachtlicher. Immerhin hatten wir auch schon Eltern in der Praxis, die meinten, das ginge sie nichts an und sei allein Problem der Kinder und deren Portemonnaie. Das geht so natürlich nicht: Als Erziehungsberechtigte sind wir nicht nur für unsere Kinder selbst, sondern auch für das Wohlergehen von deren Haustieren verantwortlich.

Wenn ich daran denke, wie oft ich Menschen am Telefon habe, die mit weinerlicher Stimme bedauern, dass sie selbst kein Auto hätten und auch niemanden kennen, der sie fahren könne, staune ich nochmal. In diesen Situationen frage ich mich regelmäßg: "Haben diese Menschen keine Freunde? Oder kennen sie nichtmal Taxis?" Da lobe ich mir den Friedberger Kaninchenbesitzer um so mehr, da galt nur "watt mutt datt mutt"!

Respekt und Hut ab!!!

Zum Thema ungewöhnliche Beförderung gibt es noch mehr kleine Anekdoten:

Bei uns kommen gelegentlich  Besitzer mit dem Katzenkorb auf dem Fahrrad angefahren, da ihre Katze das Autofahren so furchtbar findet. Autos mit den Motorgeräuschen und dem Schaukeln sind vielen Katzen unheimlich und sie jaulen gottserbärmlich während der Fahrt. Das lässt sich so prima vermeiden, bietet sich aber eher für kurze Strecken an. Ein Besitzer hatte einen Transportkorb für seine Katzen, den man als Rucksack aufsetzen konnte. Er kam jahrelang entweder mit dem Bus oder auf dem Rennrad aus Wölfersheim zu uns gefahren. Inzwischen ist er verzogen, ob er das immer noch so handhabt?

Beim Hundetransport im Linienbus hat es aber auch Komplikationen gegeben. Als vor Jahren eine Dame ihren Chihuahua im Bus befördern wollte, bestand der Busfahrer auf einer Reisetasche bzw. einem Maulkorb für das Hundchen, beides hatte die Dame nicht dabei, also musste sie nochmal nach Hause und eine Transporttasche holen. Sie musste dann den nächsten Bus nehmen. Dem Fahrer war es dann sogar egal, ob der Hund in der Tasche saß, oder auf Ihrem Arm :-)